DLR-Technologiemarketing – Innovationstransfer in Serie

Die flexible multisensorische 4-Finger-Hand | Quelle: DLR

Wie werden aus Ideen Innovationen?

„Wir entwickeln Ideen und bringen sie zur Marktanwendung“, so  Jochen Krampe vom DLR-Technologiemarketing, Regionalbüro Köln, - eine Quintessenz aus langjährigen Erfahrungen und Teamarbeit. Mehr als 20 Mitarbeiter zählt die Abteilung Technologiemarketing des DLR bundesweit, darunter Naturwissenschaftler, Juristen, Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler.  Das DLR-Technologiemarketing kümmert sich auch um Patentanmeldungen und Lizenzverträge, prüft Möglichkeiten der Markterschließung und erstellt bei Bedarf eine „Roadmap“ für das weitere Vorgehen. Denn die Idee sei nur der Anfang, entscheidend sei es allerdings, wie sich wissenschaftliche Erkenntnisse in Produkte und Dienstleistungen umsetzen lassen, die am Markt erfolgreich sind, so Jochen Krampe.  „Innovation ist ein Prozess“. Letztendlich gehe es für die Unternehmen darum, mit neuen Ideen und einer angemessenen Time-to-Market „Geld zu verdienen“. Und das DLR ist dafür ein hervorragender Partner, da das DLR das gesamte Spektrum von der Grundlagenforschung bis hin zur Demonstration von Technologien in repräsentativen Anwendungsumgebungen des Marktes abdeckt. 

Technologietransfer ist Vertrauenssache

Damit aus Ideen Innovationen werden, braucht das DLR Partner aus der Industrie. Wie eine Erfindung zum Produkt wird, lässt sich mit einfachen Worten beschreiben: Finden, Bewerten, Erschließen und Umsetzen. Aber Innovation ist kein Selbstläufer, und am Ende steht mehr als ein weiteres Produkt im Portfolio eines Unternehmens, nämlich die Erfahrung einer gelungenen und nachhaltigen Kooperation. Zusammenarbeit setzt aber auch immer Vertrauen voraus. Das DLR-Technologiemarketing gewährleiste  absolute Vertraulichkeit versichert Jochen Krampe.

Das DLR unterstützt mit einem ganzheitlichen Konzept

Als kompetenter Technologiegeber und Entwicklungspartner der Industrie hat sich das DLR strategische Innovationsziele und Leitlinien gesetzt. Es orientiert sich bei der Ausschöpfung seines Innovationspotenzials an den Erfordernissen der Wirtschaft, wirkt aktiv am Innovationsprozess von der Idee bis zur Markteinführung mit, und hat ein nennenswertes Budget, um sich auch finanziell an der gemeinsamen Entwicklung im Rahmen von Chancen- Risikopartnerschaften zu beteiligen.

Gefragt ist langfristiges und strategisches Denken

Wo und wie findet man zueinander? Das DLR-Technologiemarketing setzt u.a. auch auf Netzwerke und Kooperationsplattformen, etwa Veranstaltungen von den IHKs oder Verbänden, auf Messen oder auf strategische Innovationspartnerschaften. Oft ist beispielsweise eine Idee oder eine Erfindung aus den Forschungsbereichen des DLR, aufbereitet zu einem Funktionsdemonstrator, der Ausgangspunkt. Es gelingt dabei nicht ständig, passende Unternehmen für die gemeinsame Produktentwicklung auszusuchen und anzusprechen. Diese müssen überzeugt werden, marktnahe Forschungsergebnisse und die Infrastruktur des DLR für die Verbesserung ihrer Technologien, Produkte und Prozesse zu nutzen. Wenn das DLR keinen Partner aus der Wirtschaft findet, aber vom potenziellen Erfolg einer Idee am Markt überzeugt ist, geht das DLR auch den Weg über Ausgründungen.

Die Rollen zwischen Unternehmen und DLR  sind klar verteilt. Jochen Krampe: „Wir zeichnen das Potenzial einer Entwicklung auf, unterstützen mit all unserem Wissen und Können, unserer Technik, entwickeln gemeinsam Form und Funktionalitäten. Aber das Produkt auf den Markt zu bringen ist Sache des Unternehmens.“

Erfolgsgeschichten aus NRW

In der Raumfahrt sieht Krampe große Chancen für den Technologietransfer. „Hier werden z.B. hochbelastbare Werkstoffe entwickelt, die  unter extremen Bedingungen eingesetzt werden können. Sie zeichnet extrem hohe Zuverlässigkeit und Temperaturbeständigkeit aus.“ Weitere spannende Möglichkeiten eröffnen faserverstärkte Metalle,  Kunststoffe und Keramiken.

Am  Standort Köln gehen im Jahr vier bis fünf neue Technologietransferprojekte an den Start. In Kooperation mit der PANCO GmbH aus Mülheim-Kärlich wurde beispielsweise eine Potential-Seebeck-Mikrosonde (PSM) zur Charakterisierung thermoelektrischer Materialien entwickelt. Ein völlig neues Labormessverfahren wurde so zum Industriestandard erhoben.

Eine weitere Erfolgsgeschichte gelang mit dem Werkstoff WHIPOX™ (Wound Highly Porous OXide composite), Hierbei handelt es sich um einen keramischen Faserverbundwerkstoff für Hochtemperatur-Anwendungen in Luftfahrt, Raumfahrt und Energietechnik. Mit der Vermarktung der im DLR entwickelten Prototypen ist seit 2007 die WPX-Faserkeramik GmbH befasst, eine DLR-Ausgründung.  Von der Produktentwicklung, über Serienfertigung bis hin zu Vertrieb und Service reicht die Spannbreite des Angebots der Firma WPX GmbH. Neben dem Einsatz in Luft- und Raumfahrt bieten sich weitere Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Verbrennungstechnik an, beispielsweise für Brenner und Komponenten der Abgasreinigung.

Die Tür für weitere Unternehmen mit entsprechendem Know-how für andere Anwendungen steht offen.

Ansprechpartner für die Industrie Köln / Bonn

Jochen Krampe, DLR Technologiemarketing, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Regionalbüro Köln

Linder Höhe, 51147 Köln-Porz

Telefon:+49 2203 601-3665

Email:  Jochen.Krampe(at)dlr.de

Einsatzmöglichkeiten nicht ausgereizt

Foto: GSR Ventiltechnik GmbH & Co.KG

Aus dem All auf den Acker - Die Genese eines Produktes

Wie erfolgreich und zukunftsweisend Forschung und Industrie in NRW zusammenarbeiten können, zeigt die Geschichte eines außergewöhnlichen Ventils, des Rapid Reaction Valves (RRV® ). Das DLR entwickelte vor zehn Jahren ein Ventil als Steuerdüse für Satelliten. Gefordert war ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit, um mit möglichst geringem Energieaufwand kleinste Gasmengen kontrolliert freisetzen und dadurch Satelliten steuern zu können. Bei einer Ausstellung zum Technologietransfer der MST Aerospace GmbH wurde die Neuentwicklung,ein magnetisch betätigtes Kugelventil, vorgestellt. Dort fanden das DLR und die GSR Ventiltechnik aus Vlotho- Exter zueinander.

Ein Raumfahrtventil mit Entwicklungspotenzial

GSR-Geschäftsführer Wolfgang Heil  erinnert sich an die unbürokratische Kontaktaufnahme und die Entscheidungsfreudigkeit seines Managements, die zur Kooperation mit dem DLR führte; „Im Wesentlichen war es notwendig die Ergebnisse der Grundlagenforschung wie sie beim DLR in Köln vorlagen in konkrete Anwendungen für die Verfahrens- oder Fluidtechnik umzusetzen.Und das ist uns sehr gut gelungen."

Für die GSR gab es zahlreiche Gründe, sich für das Ventil zu interessieren:Geringe Schaltzeiten, geringe Baugröße, lange Haltbarkeit.  Ein weiterer Anlass für die GSR, das spätere RRV® ® in ihre Produktpalette aufzunehmen, war die Aussicht, mit dem Ventil aufwändige Mess- und Regeltechnik ersetzen zu können. Außerdem liessen sich mit dem RRV® ® höherviskose Medien wie Leime, Öle und Klebstoffe schalten.

Eine ideale Partnerschaft

Eine Lizenz auf die Verwertung der Patente des DLR erwarb die GSR 2003. Jiri Vondricka, Ingenieur der GSR „Die RRV®  Technologie ermöglicht völlig neue Konzepte, die bisher mit der vorhandenen Technik nicht machbar waren. Bis heute unterstützen sich GSR und DLR gegenseitig bei neuen Industrie- und Wissenschaftsprojekten. Kontinuierlich fragen die Kunden neuartige und anspruchsvolle Lösungen an. Dabei arbeiten GSR und DLR zusammen, um diese umzusetzen. Wo das DLR über tiefes Fachwissen aus der Forschung verfügt, bietet die GSR eine lange Erfahrung in der Industrieherstellung.“

Die Partnerschaft trägt Früchte. Inzwischen gibt es das RRV®  in zahlreichen Varianten und wird in kleinen Serien produziert. Das RRV®  schaltet im Millisekundenbereich und kann kleinste Mengen von Gasen oder Flüssigkeiten dosieren. Es findet u.a. Anwendung in der Dosiertechnik, der Pharmaindustrie, der Hydraulik und der Automobilindustrie. In Zusammenarbeit mit der Universität Bonn wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes für die Dosierung von reizenden Chemikalien das Ventil RRV® ® 233 entwickelt. In der Pharma- und Lebensmittelindustrie wird es bereits eingesetzt.

Auch nach fast 10 Jahren Entwicklung sind die Möglichkeiten des RRV®  längst nicht ausgeschöpft. Im Fokus steht nun der Einsatz in der Landwirtschaft, und zwar bei Pflanzenschutzspritzen. Beteiligt sind Wissenschaftler des Bonner Instituts für Landtechnik. Jiri Vondricka:„Beim heutigen Stand der Technik muss das Feld erst mit einer Kamera gescannt werden und nachher wird das Feld mit einer angepassten Spritze besprüht. Das Problem ist, dass man zweimal über den Acker fahren muss. Unser Ziel ist es, die Kameras an der Spritze zu befestigen, und das Feld bei einer Überfahrt zu scannen, jede einzelne Unkrautpflanze zu erkennen und sofort gezielt zu besprühen. Gerade dafür werden Ventile benötigt, die in kürzester Zeit die hochkonzentrierten Pflanzenschutzmittel dosieren können.“ Noch wird an der Apparatur getüftelt, aber in einigen Jahren könnte die Unkrautbekämpfung auf Äckern umweltschonender erfolgen. Der Marathonlauf wird fortgesetzt.

http://www.ventiltechnik.de/de/firmeninfo/produkte/RRV® .html