21.03.2011

Mit RFID zu mehr Transparenz

Forschungsprojekt zur unternehmensübergreifenden Logistik- und Produktionssteuerung

Das Verbundprojekt "RFID-based Automotive Network" (RAN) entwickelt standardisierte Methoden und Vorgehensweisen für Steuerungsarchitekturen auf Basis von RFID (Radio Frequency Identification) in Produktion und Logistik, die branchenweit Einsatz finden sollen. Das auf drei Jahre ausgelegte Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert.
Individuelle Fahrzeugwünsche, neue Antriebstechnologien und ständige Innovationen erzeugen eine stetig wachsende Variantenvielfalt. Aus diesem Grunde konzentrieren sich die Automobilhersteller auf ihre Kernkompetenzen und reduzieren ihre Fertigungstiefe. Dies führt zur Entwicklung komplexer Lieferantennetzwerke.

Weltweites Lieferantennetz

Die Lieferanten reichen von Kleinbetrieben über mittelständische Unternehmen bis hin zu Konzernen. Sie beliefern die Automobilhersteller aus der ganzen Welt. Die globale Anbindung der Lieferanten per Schiff, Bahn, Lkw und Flugzeug integriert zusätzliche Unternehmen in den Produktionsablauf. Somit ist an der Herstellung eines deutschen Fahrzeugs eine weltumspannende Vielzahl an Unternehmen beteiligt, die ein schwer überschaubares Produktions-und Logistiknetzwerk bilden. Diese komplexen Netzwerke gilt es zu steuern und zu beherrschen.

Forschungsprojekt RAN

Hier setzt das am 1. Januar 2010 gestartete Forschungsprojekt "RAN" an. Es wird mit einem namhaften Projektkonsortium aus Automobilherstellern, Lieferanten, Dienstleistern, Technologiepartnern, IT-Unternehmen und Forschungseinrichtungen neue Methoden und Ansätze zur wirtschaftlichen und unternehmensübergreifenden Steuerung von Prozessen in der Auftragsabwicklung entwickeln und einen neuen Branchenstandard schaffen.
Für Peter Glaser, Leiter Produktionsplanung Logistik bei der Daimler AG ist "Transparenz im Materialfluss die Voraussetzung, um schnell und flexibel auf Marktanforderungen reagieren zu können."

Wie wichtig dies auch für andere Partner ist, verdeutlicht Dr. Edgar Quandt, Leiter Corporate R&D Advanced Technologies der REHAU Gruppe: "Uns, als Full Service Supplier der Automobilindustrie, erschließt die durch RFID erreichbare Prozesstransparenz neue Wege, unsere Qualitätsstandards noch weiter zu steigern. Nur mit gemeinsamen Prozessstandards können wir dies auch über die gesamte Supply Chain hinweg sicherstellen."

Im Projekt RAN soll mit standardisierten Prozessen, unter Einsatz modernster RFID-Technik, die Möglichkeit eines effizienten Informationsaustausches mit Hilfe eines Infobrokerkonzeptes für die gesamte Automobilindustrie geschaffen werden. Es geht darum, erstmals branchenweit eine Einigung über standardisierte Methoden zu erzielen, die alle an der Wertschöpfung beteiligten Unternehmen mit einbezieht.

Datenaustausch im Netzwerk

Der Infobroker ermöglicht den standardisierten Austausch prozessrelevanter, echtzeitnaher Daten zur Steuerung und Optimierung der Wertschöpfungskette in einem Netzwerk. Assistenzsysteme gleichen Plan- und Ist-Daten miteinander ab und geben bei Abweichungen Handlungsempfehlungen. Mit diesen Steuerungskonzepten kann auf sich rasch ändernde Marktsituationen schnell und flexibel reagiert werden.

Durch standardisiertes Auto-ID-Equipment und Prozessmodule reduzieren sich Suchaufwände, Sonderaktionen, Fehlerfolgekosten, Produktionsausfall, Bestände und aufwendige Rückverfolgung bei Qualitätsproblemen sowie Durchlaufzeiten. Rollenbeschreibungen für die unterschiedlichen Prozesspartner wie Lieferanten, Dienstleister und OEM erleichtern die Integration in das Netzwerk. Der so entstehende Prozessbaukasten liefert damit die Bausteine und Integrationsleitfäden für neue Netzwerkteilnehmer. Mit der RAN-Zertifizierung schließt die Integration ab.

RAN schafft Wettbewerbsvorteile

Aufgrund der breiten Zusammensetzung des Konsortiums wird erreicht, dass die erarbeiteten Ergebnisse über die am Verbundprojekt beteiligten Unternehmen eine schnelle Verbreitung im Bereich der Automobilindustrie und darüber hinaus finden. Somit wird mit RAN ein sichtbarer Wettbewerbsvorteil der deutschen Automobilindustrie im internationalen Vergleich erzielt.
Projektpartner sind auf Seiten der Unternehmen BMW und Daimler als deutsche Automobilhersteller, Bosch, Keiper und REHAU als Lieferanten, die Bremer Lagerhausgesellschaft und DHL als Logistikdienstleister, Eurolog, IBM und IBS als IT-Softwareanbieter, Cisco und Siemens als Technologiepartner. Als wissenschaftliche Einrichtungen sind das Bremer Institut für Produktion und Logistik GmbH Biba, das Forschungszentrum Informatik FZI, Karlsruhe, das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, Dortmund, und das Institut für Werkzeugmaschinen und Betriebswirtschaft iwb der Technischen Universität München beteiligt.

Zum Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik (IML)