Forschung in Nordrhein-Westfalen

Das DLR versucht, durch eine genauere Berechnung der Ausbreitung und des Abbaus der Wirbelschleppen, die insbesondere beim Start und bei der andung entstehen, die möglichen Staffelungsabstände zwischen hintereinander an- oder abfliegenden Flugzeugen zu verringern. Foto:DLR

Die ABC-Region und Nordrhein-Westfalen bieten nicht nur interessante Studiengänge und Ausbildungen in der Luft- und Raumfahrt, sondern auch Raum für Forschung. Auf der einen Seite können sich hier junge Wissenschaftler, sprich Hochschulabsolventen und Doktoranden, über spannende Projekte und Arbeiten informieren. Andererseits richtet sich diese Rubrik auch an Unternehmen, die von Synergieeffekten in der Forschung profitieren möchten.

Nordrhein-Westfalen tägt durch seine Teilnahme an internationalen Forschungsprogrammen zum bundesweiten Fortschritt bei. An dieser Stelle ist insbesondere das siebte Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union zu nennen, welches sich in seinem Spezifischen Programm Zusammenarbeit auch mit Fragestellungen der Luft- und Raumfahrt auseinandersetzt.

 

Das siebte Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union

Als zentrales Element der Strategie von Lissabon ist die Forschung Bestandteil des „Dreiecks des Wissens". In Anbetracht der globalisierten Wirtschaft soll dieses zur Stärkung von Wachstum und Beschäftigung in der Europäischen Union (EU) beitragen. Das Siebte Forschungsrahmenprogramm bezweckt den Ausbau des Europäischen Forschungsraums und soll der EU helfen, ihre Forschungspolitik ihren wirtschaftlichen und sozialen Zielen anpassen.

Die Forschungsrahmenprogramme wurden 1984 ins Leben gerufen und dienen der Förderung von Forschung und technischer Entwicklung (FTE). Das siebte Forschungsrahmenprogramm mit einem Budget von rund 53,3 Milliarden Euro läuft noch bis 2013. Das Spezifische Programm Zusammenarbeit, eines von vier Programmen des siebten Forschungsrahmenprogrammes, ist in Hinblick auf die Luft- und Raumfahrt besonders interessant.

Hilfestellung zur Teilnahme an EU-Forschungsrahmenprogrammen leisten unter anderem das Internationale Büro des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) bei der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie die ZENIT GmbH. ZENIT ist ein Public Private Partnership mit Beteiligung der nordrhein-westfälischen Landesregierung, die seit 1984 im Auftrag von EU, Bund und Land kleine und mittlere Unternehmen bei deren Innovationsaktivitäten unterstützt.

Viele Hochschulen der ABC-Region arbeiten an dem Programm mit. Hier sind zum Beispiel die FH Aachen, die RWTH Aachen, die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und die Universität Köln zu nennen.

 

Forschungsbereich Weltraum:

Dem Weltraum wurde im Spezifischen Programm Zusammenarbeit ein eigener Forschungsbereich zugeteilt. Das europäische Weltraumprogramm soll dadurch untersützt werden, dass Anwendungen wie die Globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung forciert werden. Das Ziel ist die Stärkung der europäischen Raumfahrtpolitik, während sie von den Mitgliedstaaten sowie anderen wichtigen Akteuren, zum Beipiel der Europäischen Weltraumorganisation ESA, unterstützt und ergänzt wird.

Forschungsbereich Verkehr, Einschließlich Luftfahrt:

Ziel dieses Forschungsbereiches ist es, negative Konsequenzen eines erhöhten Mobilitätsbedürfnisses auf die Umwelt in der Europäischen Union zu mindern. Die Luftfahrt spielt in diesem Zusammenhang eine ebenso bedeutende Rolle wie Schiffs-, Auto- und Bahnverkehr. Der Energieverbrauch muss gemindert werden, während man Parameter wie Sicherheit und Volksgesundheit mit einkalkuliert.

Forschungsschwerpunkt Erdbeobachtung:

Unter dem Forschungsbereich "Umwelt, einschließlich Klimawandel" wird das Thema Umwelt und ihre Ressourcen aus zwei verschiedenen Perspektiven behandelt. Auf der einen Seite steht die Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen Klima, Biosphäre, Ökosystemen und menschlichen Einflüssen. Zum Zweiten sollen dementsprechend neue Technologien, Werkzeuge und Dienstleistungen entwickelt werden. In diesem Zusammenhang ist die Luft- und Raumfahrt forschungsrelevant: Erst sie ermöglicht die  Erdbeobachtung aus der Luft, welche einer der Forschungsschwerpunkte im Bereich "Umwelt" ist.

 

Bonn, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR in Köln-Porz sucht ständig Doktoranden. Die Vorteile für junge Forscher:

- professionelle Betreuung der Arbeiten

- Möglichkeit zur Mitarbeit an hochinteressanten Projekten im Luft- und Raumfahrtbereich

- Mitwirkung an Projekten in Zusammenarbeit mit hochrangigen Industriepartnern

- Knüpfen und Pflegen eigener Kontakte mit industriellen Playern im Luft- und Raumfahrtbereich

- aktive Darstellung der Arbeiten im wissenschaftlichen Umfeld (Internationale Konferenzen, Workshops)

- Möglichkeit zur Teilnahme am „DLR CAMPUS“ (für die Doktorarbeiten)

- umfangreiches Paket zur Weiterentwicklung der fachlichen und persönlichen Skills

 

Köln, European Astronaut Centre (EAC)

Im European Astronaut Centre (EAC) in Köln-Porz werden Raumfahrer aus aller Welt trainiert. Foto:EAC

Das European Astronaut Centre (EAC) liegt auf dem Gelände des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln-Porz und wurde 1990 gegründet. In dem 90-köpfigen Team des EAC arbeiten Mitarbeiter der Europäischen Raumfahrt Agentur ESA, mit Mitarbeitern der nationalen Raumfahrtagenturen Italiens (ASI), Frankreichs (CNES) und Deutschlands (DLR) sowie mit Vertretern aus der Industrie gemeinsam an Aufgaben für die bemannte europäische Raumfahrt.

Zentrale Aufgabe des EAC ist dabei die Ausbildung von Raumfahrern. Im EAC trainiert unter anderem das Europäische Astronautencorps für Weltraumeinsätze, hauptsächlich auf der Internationalen Raumstation (ISS). Auch russische, amerikanische und japanische sind an den Trainings beteiligt.

Neben der Ausbildung kommen dem EAC auch Aufgaben der Anwerbung und Auswahl von neuen ESA-Astronauten zu. Ebenso ist das Zentrum für die medizinische Überwachung und Versorgung der Raumfahrer zuständig. In der Zeit vor und während eines Flugs betreut das EAC die Astronauten und ihre Familien.

ESA/EAC-Astronauten sind in der Vergangenheit an zahlreichen ISS-Missionen beteiligt gewesen, so zum Beispiel an der Montage von Node 2 im September 2007 (Mission STS-120) sowie an der Columbus-Mission STS-122 im Februar 2008.

 

Köln, European Transonic Windtunnel ETW

Im European Transonic Windtunnel ETW in Köln werden neu konzipierte Flugzeuge namhafter Hersteller als verkleinerte Modelle unter tatsächlichen Flugbedingungen erprobt und optimiert. Foto:ETW

Der European Transonic Windtunnel ETW (deutsch: Europäischer Transschall Windkanal) in Köln ist der modernste Luftfahrtwindkanal weltweit. Er wird von Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden getragen. Neu konzipierte Flugzeuge namhafter Hersteller aus aller Welt werden im ETW als verkleinerte Modelle unter tatsächlichen Flugbedingungen erprobt und optimiert. Die gewonnenen Erkenntnisse sind entscheidend für den Erfolg eines Flugzeugprojektes.

 

 

 

Siegen, Universität

Ein ganz besonderes Projekt wird seit nunmehr acht Jahren an der Universität Siegen bearbeitet: das Gate-Management an Verkehrsflughäfen. Prof. Dr. Erwin Pesch, Mathematiker und Informatiker am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, leitet die Untersuchungen. 

Durch die zunehmende Liberalisierung und Privatisierung der Luftfahrtindustrie müssen vorhandene Flughafenressourcen bestmöglich ausgenutzt werden - nicht nur in der Bodenabfertigung, sondern auch bei den Terminal-Gates oder auf den Start- und Landebahnen. Manuelle Planungsmethoden stoßen bei der erforderlichen hohen Ausnutzung der Ressourcen schonmal an ihre Grenzen. Deswegen entwickelt Prof. Dr. Pesch zusammen mit seinen Kollegen Verfahren, um die Gates-Zuordnung zu optimieren.

Da jeder Flughafen sich in seiner Struktur von anderen unterscheidet, und weil jede Airline andere Prioritäten setzt, werden die Verfahren anhand der bereits vorliegenden Forschungsergebnisse immer wieder neu berechnet und angepasst. Pesch und sein Team haben die Verfahren schon für Flughäfen in Europa, Amerika und Asien angewendet.